Christoph Martin Wieland Bio



Christoph Martin Wieland (* 5. September 1733 in Oberholzheim bei Laupheim; † 20. Januar 1813 in Weimar) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber zur Zeit der Aufklärung.

Wieland war – neben Gotthold Ephraim Lessing, Georg Christoph Lichtenberg und Immanuel Kant – der bedeutendste und reflexionsmächtigste Schriftsteller der Aufklärung im deutschen Sprachgebiet und der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar (siehe auch Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller).

Kindheit und Jugend

Geboren wurde Wieland im Pfarrhaus von Oberholzheim, einem Dorf, das damals zum Gebiet der Reichsstadt Biberach gehörte; seine Eltern waren Thomas Adam Wieland (1704–1772), lutherischer Pfarrer, und Regina Katharina, geb. Kick (1715–1789). Nach der Versetzung des Vaters wurde er von diesem, von Privatlehrern und dann in der Biberacher Stadtschule unterrichtet. Schon mit zwölf Jahren versuchte er sich in lateinischen und deutschen Versen, mit 16 hatte er bereits fast alle römischen Klassiker gelesen; unter den damals modernen zogen ihn die Schriftsteller Voltaire, Bernard le Bovier de Fontenelle und Pierre Bayle und unter den deutschen Poeten insbesondere Barthold Heinrich Brockes an.

An dem pietistischen Internat zu Kloster Berge bei Magdeburg (1747–49) entwickelte sich der Junge zu einem großen Verehrer Friedrich Gottlieb Klopstocks. Bei einem Verwandten zu Erfurt – an der Universität Erfurt hatte er das Studium der Philosophie begonnen – lernte er den Don Quijote kennen und schätzen. Im Sommer 1750 traf er im väterlichen Haus mit seiner Cousine Sophie Gutermann (später Sophie von La Roche) zusammen, in die er sich rasch verliebte. Diese Verbindung löste ihn aus seiner inneren Vereinsamung; Sophie (deren Roman Fräulein von Sternheim er später veröffentlichte) regte ihn zu seinem ersten größeren Gedicht an, das 1752 anonym veröffentlicht wurde: Die Natur der Dinge. Ein Lehrgedicht in 6 Büchern.
Studium, Schweiz (1750–1759)

Im Herbst 1750 hatte Wieland an der Universität Tübingen ein Jurastudium begonnen, das er jedoch bald zugunsten der Literatur und eigener poetischer Produktion vernachlässigte. Ein Heldengedicht Hermann in fünf Gesängen sandte er an Johann Jakob Bodmer – den Grand old man der Zürcher Literatur. Dies führte zu einem sehr persönlichen Briefwechsel. Bald gab er das ungeliebte Studium ganz auf und widmete sich seiner Fortbildung und der Literatur.

Seine übrigen Erstlingsdichtungen kennzeichneten ihn als leidenschaftlichen Klopstockianer und strebten auf eine spezifisch christliche Dichtung hin. Im Sommer 1752 folgte er einer Einladung Bodmers nach Zürich. Der folgende Aufenthalt in der Schweiz sollte acht Jahre währen. Auf das herzlichste empfangen, wohnte er eine Weile bei Bodmer als dessen Schüler und wirkte mit an der neuen Herausgabe der 1741 erschienenen „Züricherischen Streitschriften“ (gegen Johann Christoph Gottsched gerichtet). In anregendem Verkehr mit Johann Jakob Breitinger, Hans Caspar Hirzel, Salomon Gessner, Johann Heinrich Füssli, David Heß u. a. schrieb Wieland in Zürich um jene Zeit noch die Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde (Zürich 1753).

Die plötzliche Nachricht, dass seine Verlobte Sophie einen Ministerialbeamten – Georg Michael Franck von La Roche – geheiratet hatte, sowie ein längerer Aufenthalt in dem pietistisch gestimmten Haus der Familie Grebel in Zürich hielten ihn noch eine Weile bei der – seinem Naturell eigentlich entgegengesetzten – frommen Richtung. In seinen Hymnen (Zürich 1754) und den Empfindungen eines Christen (Zürich 1755) sprach er zum letzten Mal die Sprache, die er seit Kloster Berge geredet, und wandte sich besonders deutlich gegen jede erotische Poesie. Neben Friedrich Nicolai (der schon damals Wielands Muse mit einer jungen Schönen verglich, welche die Betschwester spielen will und sich ehestens in eine Kokette verwandeln könne) durchschaute auch Lessing die Hohlheit der seraphischen Schwärmerei Wielands.

Bald jedoch vollzog sich in Wieland, besonders unter dem Einfluss der Schriften von Lukian, Horaz, Cervantes, Shaftesbury, d'Alembert, Voltaire, eine vollständige Umkehr. 1754 trennte er sich von Bodmer und machte sich selbständig. Gleichzeitig wandelte er sich zum klassischen Vertreter der Aufklärung. Schon das Trauerspiel Lady Johanna Gray (Zürich 1758) – es war dies das erste deutsche Drama in Blankversen – konnte Lessing mit der Bemerkung begrüßen, Wieland habe „die ätherischen Sphären verlassen und wandle wieder unter Menschen“. In demselben Jahr entstand das epische Fragment Cyrus (Zürich 1759), zu dem ihn Friedrich II. von Preußen angeregt hatte. Inzwischen hatte er in Bern eine Hauslehrerstelle angetreten. Dort trat der Dichter in sehr nahe Beziehungen zu der Freundin Jean-Jacques Rousseaus, Julie Bondeli. Pläne, eine Zeitschrift herauszugeben, musste er aus finanziellen Gründen bald aufgeben.
Im Wieland-Schauraum in Biberach an der Riß
Biberach, Erfurt (1760–1772)

1760 nach Biberach zurückgekehrt, bewarb er sich dort als Senator und Kanzleiverwalter. Er begann ein Verhältnis mit Christine Hagel, einer Katholikin. Als diese von ihm ein Kind bekam, durften die beiden nicht heiraten; das Kind starb bald. Auf Drängen seiner Familie heiratete er 1765 eine Augsburger Kaufmannstochter, Anna Dorothea von Hillenbrand, mit der er 13 Kinder hatte. Einer seiner Söhne, Ludwig Wieland, wirkte später wie sein Vater ebenfalls als politischer Publizist und gab unter anderem ab 1817 die Zeitschrift Der Patriot in Weimar heraus.

Die kleinbürgerlichen Verhältnisse seiner Vaterstadt bedrückten Christoph Martin Wieland; doch fand er auf dem Schloss Warthausen des Grafen Stadion eine Stätte weltmännischer Bildung, persönliche Anregung und eine ausgezeichnete Bibliothek. In Warthausen traf Wieland auch seine ehemalige Verlobte, die mit ihrem Gatten bei Stadion lebte, wieder. Der Verkehr mit diesen und anderen Personen jenes hochgebildeten Kreises vollendete Wielands „Bekehrung“ ins Weltliche. Aus dieser Zeit stammt der bezeichnende Satz „Nicht Liebe und Geist, sondern Geld und Verstand herrschen in der Welt, ja wer mit den Idealen wirklich Ernst macht, ist sicher, elend zu werden“.

Nun begann die Epoche seiner schriftstellerischen Tätigkeit, die seinen Ruhm und seine Bedeutung für die nationale Literatur begründete. Um 1761 wurde der Roman Agathon begonnen, der ein großer Erfolg wurde. Es folgte 1764 Don Silvio von Rosalva, oder der Sieg der Natur über die Schwärmerey. In beiden Werken lassen sich zahlreiche Einflüsse von Miguel de Cervantes, Laurence Sterne und Henry Fielding nachweisen. Daneben hatte er 1762 seine Übersetzung des William Shakespeare (Zürich 1762–66, 8 Bde.), begonnen. Mit dieser Übersetzung sollte Wieland das Theaterleben in Deutschland nachhaltig beeinflussen. Mit den beiden oben genannten Romanen und den Dichtungen Musarion, oder die Philosophie der Grazien (1768) und Idris (1768), in den nächsten Jahren den Erzählungen Nadine (1769), Combabus (1770), Die Grazien (1770) und Der neue Amadis (1771) betrat Wieland seinen neuen Weg und verkündete eine Philosophie der heiteren Sinnlichkeit, der Weltfreude, der leichten Anmut, die im vollen Gegensatz zu den Anschauungen seiner Jugend stand.

1769 war Wieland einem Ruf an die Universität Erfurt gefolgt. Seine Lehrtätigkeit tat seiner dichterischen Produktivität wenig Abbruch. In Erfurt verfasste er, außer einigen der oben genannten Schriften, noch das Singspiel Aurora, die Dialoge des Diogenes und den Staatsroman Der goldene Spiegel, oder Die Könige von Scheschian (1772). Letzterer war es, der ihm den Weg nach Weimar bahnte.
Weimar (1772–1798)

1772 berief ihn die verwitwete Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar zur Erziehung ihrer beiden Söhne nach Weimar. Wieland war sicher kein Freund des Absolutismus, jedoch reizte ihn die Möglichkeit, auf den künftigen Herzog Einfluss nehmen zu können, und er sagte zu. Hier trat Wieland in den geistig bedeutendsten Lebenskreis des damaligen Deutschlands, der schon bei seiner Ankunft Männer wie Johann Karl August Musäus, Karl Ludwig von Knebel, Friedrich Hildebrand von Einsiedel, Friedrich Justin Bertuch u.a. in sich schloss, aber bald darauf durch Johann Wolfgang Goethe und Johann Gottfried Herder erst seine Belebung erhielt. Wieland bezog unter dem Titel eines herzoglichen Hofrats ein gesichertes Gehalt (das ihm auch nach Karl Augusts Regierungsantritt als Pension verblieb).

In verlässlichen, ihn beglückenden Lebensverhältnissen entfaltete er eine frische und sich immer liebenswürdiger gestaltende poetische und allgemein literarische Tätigkeit. Mit dem Singspiel Die Wahl des Herkules und dem lyrischen Drama Alceste (1773) errang er breite Anerkennung. Endlich konnte er – nach französischem Vorbild – die Idee einer eigenen literarischen Zeitschrift verwirklichen. In „Der teutsche Merkur“, dessen Redaktion er von 1773–1789 führte, ließ er die eigenen dichterischen Arbeiten erscheinen, neben denen er auch eine ausgebreitete literaturkritische Tätigkeit übte, die sich lange Zeit hindurch auf fast alles erstreckte, was für die literarische Welt von Bedeutung war. Seine Kritik war gelegentlich sehr spöttisch, nie aber hämisch, eher nachsichtig und konstruktiv. Desungeachtet wandten sich die Dichter des „Göttinger Hains“ heftig gegen ihn. Ihnen – namentlich auch den Homer-Übersetzungen von Johann Heinrich Voß – wie auch den Frühromantikern mit ihren Theorien stand er allerdings skeptisch gegenüber.

Seine 1773 im Teutschen Merkur veröffentlichten Briefe über Alceste gaben Goethe Anlass zu der Farce Götter, Helden und Wieland. Wieland hatte die Figur des Herkules in der Tragödie des Euripides – nicht zu Unrecht – als unpassend und grobschlächtig kritisiert. Goethe, im vollen Saft seiner Sturm- und Drang-Periode, ließ seinen Herkules als Kraftprotz auftreten, der den Literaten Wieland lächerlich machte. Auf diesen Angriff antwortete Wieland mit viel Verständnis für die jungen Rabauken. (Schon im Titel von Goethes Text ist wahrscheinlich eine zweite Lesemöglichkeit angelegt: Götter, Helden und Wieland). Als Goethe bald darauf dem Ruf des Herzogs Karl-August nach Weimar folgte, bildete sich allerdings zwischen ihm und Wieland ein dauerndes Verhältnis der Anerkennung, dem der überlebende Altmeister nach Wielands Tod in seiner schönen Denkrede auf Wieland ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat.

Nach dem Amtsantritt des jungen Herzogs zog er sich von öffentlichen Ämtern zurück und widmete sich ganz seiner schriftstellerischen Arbeit als Kritiker, Aufklärer und Übersetzer. Die Gesellschaftssatire Geschichte der Abderiten, das romantische Gedicht Oberon (Weimar 1781), die poetischen Erzählungen Das Wintermärchen, Geron der Adlige, Schach Lolo, Pervonte u. a., gesammelt in den Auserlesenen Gedichten (Jena 1784–87), sowie die populäre Märchensammlung Dschinnistan (Winterthur 1786–1789) entstanden in Weimar und geben Zeugnis für seine schöpferische Vielfalt. Dazu gesellten sich die Bearbeitung von Lukians sämtlichen Werken (Leipzig 1788 bis 1789) und zahlreiche kleinere Schriften.
Oßmannstedt (1798–1803) und wieder Weimar (1803–1813)

Eine Gesamtausgabe der bis 1802 erschienenen Werke (von 1794 an bei Göschen in Leipzig), hatte Wieland erlaubt, das Gut Oßmannstedt bei Weimar anzukaufen. Hier wollte er sich „eine Insel des Friedens und des Glücks“ aufbauen – inmitten der sich anbahnenden napoleonischen Kriege. Er wollte sich – im Alter von 65 Jahren – sogar als Landwirt betätigen. Hier verlebte der Dichter seit 1798 im Kreise der großen Familie (seine Gattin hatte in 20 Jahren sieben überlebende Kinder geboren) einige glückliche und produktive Jahre. Seine frühere Verlobte, Sophie von La Roche, besuchte ihn mit ihrer Enkelin Sophie Brentano, mit der sich eine enge Freundschaft entwickelte. Hier besuchte ihn auch Heinrich von Kleist und trug ihm den Robert Guiscard im Manuskript vor.

Der Tod seiner Gattin bereits 1800 und die finanzielle Belastung durch das Gut bewogen ihn, dieses 1803 zu veräußern und wieder in Weimar zu wohnen. Dort gehörte er dem Kreis der Herzogin Anna Amalia bis zu deren Tod an. Die Zeitschrift Attisches Museum, die Wieland allein 1796–1801, und das Neue attische Museum, das er mit Johann Jakob Hottinger und Friedrich Jacobs 1802–10 herausgab, dienten dem Zweck, die deutsche Nation mit den Meisterwerken der griechischen Poesie, Philosophie und Redekunst vertraut zu machen. Im Attischen Museum veröffentlichte er unter anderem vier von ihm übersetzte Komödien von Aristophanes und zwei Tragödien von Euripides. 1806 war Wieland in Weimar Gastgeber von Adam Oehlenschläger. 1808 lud ihn Kaiser Napoleon zu einer Unterredung am Rande des Fürstenkongresses nach Erfurt ein. Im Alter von 76 Jahren trat er der Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen bei und hielt dort zahlreiche Vorträge.

Wieland hatte das Schicksal hochbejahrter Menschen, den Verlust vieler Freunde und Lieben durch Tod, in hohem Grad erfahren, blieb indessen bis zu seinem Tod in seltener Weise lebensfrisch. Am 20. Januar 1813 verstarb er an den Folgen einer Erkältung.

Seinem Wunsch gemäß wurde er im Schlossgarten von Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano begraben. Das Grab befindet sich unter einem dreiseitigem Obelisken in einer Schleife der Ilm. Die Inschrift des Grabsteines ist ein Distichon und lautet:
LIEBE UND FREUNDSCHAFT UMSCHLANG DIE VERWANDTEN SEELEN IM LEBEN
UND IHR STERBLICHES DECKT DIESER GEMEINSAME STEIN.

Quelle: Wikipedia.org (Christoph Martin Wieland)