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"Alkestis" am Münchner Residenz-Theater aufgeführt

Widerlich fand Christoph Martin Wieland seinen Admet. "Nein, der Mann, der dies tun konnte, den können wir unmöglich lieben, unmöglich an seinem Schmerz Anteil nehmen", schrieb denn auch Wieland über Euripides' Tragödie "Alkestis", in einer Kritik über den griechischen Dramatiker, die Wieland zu seiner eigenen Singspiel-Bearbeitung "Alceste" von 1773 verfasste.
Goethe antwortete darauf dann auch mit einer eigenen Satire "Götter, Helden und Wieland" (um 1774). Darin macht sich Goethe lustig über die tugendgemäß-brave Bearbeitungen von großen antiken Werken: man dürfe Euripides nicht auf die empfindsamen Seelen der eigenen Zeit zurechtbiegen.
Wieland jedoch war der Ansicht, "2200 Jahre später" könne man dem Publikum so einen verachtenswerten Admet nicht mehr vorsetzen.

Jetzt sind es schon 2447 Jahre, seitdem die "Alkestis", das früheste der erhaltenen achtzehn Stücke des Euripides, in Athen uraufgeführt wurde. Und doch hat sich Dieter Dorn in seiner Inszenierung, die am Samstag (21.11.09) am Münchner Residenztheater Premiere hatte, nach einer langen Geschichte von Alkestis-Bearbeitungen entschlossen, diesen fragwürdigen Admet möglichst vorurteilsfrei auf die Bühne zu stellen.
Das ist wahrlich keine leichte Aufgabe für den Darsteller Michael von Au. Am Anfang wirkt er in seinem royalblauen Kurzmantel noch wie der Geschäftsführer einer Werbeagentur, Typus Frank Schätzing, dem gerade ein großer Auftrag durch die Lappen gegangen ist und der nicht auch noch Beziehungsprobleme gebrauchen kann.

Man glaubt es kaum, aber zweihundertdreißig Jahre nach Wieland können wir diesen Admet tatsächlich wenn nicht lieben, so doch "an seinem Schmerz Anteil nehmen".

So bringt die Zeit doch immer wieder neues.