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Wieland war der Begründer der Tradition des deutschen Bildungsromans und leistete auch als Übersetzer Bedeutendes. Nach einer pietistischen Phase der Schwärmerei entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Schriftsteller der Aufklärung. Seine Verserzählungen sind gekennzeichnet durch meisterhafte Stilistik. Er beherrschte die Satire ebenso wie die Literaturkritik.

Stilsicher geschmeidige Wortkunst und abgewogene denkerische Klugheit – ein Muster an reflexiver Aufklärung (vgl. Moderne) – machten Wieland zunächst zu einem der wirksamsten deutschen Dichter, zogen ihm aber auch die anhaltende Feindseligkeit der Nachfolgegenerationen mit deren Programmen der „Ächtheit“ bzw. der Gefühlskultur zu (vgl. Sturm und Drang, Romantik), denen seine Toleranz und freie Erotik missfielen. So wurde er schon im 19. Jahrhundert unter den deutschen Klassikern der am wenigsten Gelesene.
Wielands Aufklärungskonzept wurde allerdings im Roman Wieland or The Transformation: an American Tale (Wieland oder die Verwandlung: eine amerikanische Erzählung; 1798) des amerikanischen Schriftstellers Charles Brockden Brown verarbeitet. Protagonist des Romans ist Theodore Wieland, ein fiktiver Verwandter des Dichters, der im religiösen Wahn seine Familie tötet.[4]
Im deutschsprachigen Raum gewann er erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die begeisterte Ehrenrettung Arno Schmidts wieder eine neue Leserschaft.